Zwischenbericht – Seit 6 Wochen vegan

Die ersten Wochen als Veganer habe ich hinter mir. Und es war eine erstaunliche Zeit. Denn ich wurde, ohne das angestrebt zu haben, zur Aktivistin und merke das in mir eine bis dahin so nicht gekannte Wut ist. Wut auf dieses ganze System, das wir erschaffen haben und mit dem wir den Planeten abschaffen. 

Ein paar Tage nach dem ich anfing  mich strikt vegan zu ernähren, fragte mich meine kleine Tochter Eva, sie wird im April 6, warum ich denn jetzt auch keine Milch mehr trinke und keinen Käse mehr esse. Ich erklärte ihr, dass die Milch von den Kühen kommt und eigentlich für ihre Babys da ist. Wir nehmen erst den Kühen die Babys weg und dann ihre Milch. Das fand sie so schlimm, dass sie sofort beschloss, ab sofort auch keine Milch und keinen Käse mehr zu essen. Wir starteten gemeinsam unser Experiment: „findet die leckerste Milch und Käsealternative!“

Ich habe dann im Rewe von jeder Pflanzenmilch eine Sorte gekauft. Also Sojamilch, Reismilch, Mandelmilch, Hafermilch und Haselnussmilch. Mein Favorit ist die Hafermilch. Sie hat einen milden Geschmack und kann gut in Kaffee und mit Kakao getrunken werden. Eva liebt Mandelmilch mit Kokos und unser kleiner Benni die Haselnussmilch. Hafermilch gibt es auch in der Barista Variante zum aufschäumen. Sojamilch schmeckt mir im Kaffee nicht so gut. 

Wobei ich bald auch mal an meinen Kaffekonsum gehen werden, denn auch Kaffee wird nicht gerade unter guten Bedingungen hergestellt. Ich kann meine Welt aber nicht von heute auf morgen komplett auf den Kopf stellen, deswegen erstmal nur Milch und Käse ersetzen. 

Wir haben auch einige sehr gute Käsealternativen gefunden. Ausserdem mache ich auch immer mal selbst Brotaufstrich. Seit der Umstellung koche ich definitiv mehr und lieber. Ich habe mir einige gute Rezepte raugesucht und mir auch ein veganes  Backbuch ausgeliehen. Die Wahrheit ist, ich habe absolut nicht das Gefühl auf irgendwas verzichten zu müssen. Ich finde sogar, mein Essen schmeckt besser als vorher, da ich viel mehr mit Gewürzen und frischen Kräutern arbeite. 

Mir macht das Kochen auch nix mehr aus. Oft stehe ich nachmittags oder abends noch in der Küche um ein neues Rezezpt auszuprobieren und z.B. ein Brot zu backen, oder einen Aufstrich zu machen. 

Klar, manchmal muss es schnell gehen und dann greife ich auch auf Fertiggerichte zurück. Meist sind das Tütchen von Davert, wo ich dann noch eine Paprika oder eine Zucchini mit reinschnippel  und dann habe ich eine vegane Paella oder oder Kokos-Linsen-Suppe. Bei Lidl habe ich jetzt auch vegane Pizza entdeckt. Die war auch sehr gut. 

Eva bekommt natürlich vieles mit was ich mache und ist sehr wißbegierig. Sie versteht schon einiges an Zusammenhängen und das Fleisch essen nicht nur schlecht für die Tiere ist sondern auch für den Planeten. Im Kindergarten habe ich deshalb bescheid gesagt, sie möchte beim Mittagessen kein Fleisch oder Fisch mehr haben. Sie bekommt also nur das Gemüse mit den Kartoffen, Nudeln oder Reis. 

Trotzdem durfte ich ein Gespräch über Ernährung führen. Da mir mitgeteilt wurde, meine Tochter würde missionieren. Sie würde zu anderen Kindern die Wurst auf dem Brot haben, sagen, das wäre ungesund und dafür hätten Tiere gelitten. Der Kindergarten möchte das nicht. Wir mögen bitte mit ihr reden, damit sie damit aufhört. 

Ich war freundlich, wie immer und sagte, das ich das natürlich tun werde. Auf Nachfrage bei meiner Tochter sagte sie mir aber, sie würde gar nichts zu den anderen Kindern sagen. Da mir betreffende Erzieherin sagte, es wäre gerade ein ganz bestimmte Erzieherin die selbst viel Fleisch isst, die ein Problem hat, glaube ich, das ganze wird sehr aufgebauscht. Besagte Erzieherin, nennen wir sie mal Erika, hatte ein Problem damit, das Eva zu ihr sagte, sie möchte auch die Soße nicht auf den Kartoffeln haben, denn da war ja das Fleisch vorher drin. Das hat sie wohl total aus der Fassung gebracht. 

Mich inzwischen auch! Ich bin so wütend inzwischen und kann nicht verstehen, warum die Welt nicht die Augen öffnet. Meine Tochter sagt die Wahrheit, aber die ist nicht erwünscht. Denn jeder kann essen was er will. 

Das sehe ich anders. Jeder kann rauchen und seine Gesundheit ruinieren, jeder kann zu viel Alkohol trinken, das betrifft alles nur ihn selbst. Aber durch den Riesen Hunger auf Fleisch haben wir ein Riesen Problem auf diesem Planeten. Und ich komme mir vor wie ein Alien, weil ich dieses Problem sehe (zusammen mit vielen anderen) aber die weitaus überwiegende Zahl an Menschen nicht. 

Sie wollen es nicht sehen. Sobald wir versuchen die Welt zu verbessern, kommen auf einmal eine Menge Leute auf die Idee, dass wir bitte in allen Aspekten unseres Leben perfekt sein sollen, sonst sind wir nicht glaubwürdig. Veganer sind alle militant, missionarisch und laut. 

Wenn wir denn so toll sind, dann dürfen wir auch kein Handy nutzen, Kein Auto fahren. Wir sollen komplett auf Plastik verzichten, nur Gemüse aus regionalen Anbau kaufen und in Second Hand Klamotten rumlaufen. Und zum Fortbewegen taugen nur Fahrräder. Am besten gebraucht. 

Alles andere ist nicht glaubwürdig. 

Im Internet werden Aussagen getroffen wie „Woran erkennst du einen Veganer? Er wird es dir sagen!“ Und danach oft der Satz: Darauf ess ich mir erstmal ein Schnitzel…

Das macht mich oft wütend und traurig. Ja, auch ich habe mal Fleisch gegessen. Schließlich war mein Vater Metzger. Ich habe ja auch nicht damit aufgehört weil es mir nicht geschmeckt hat. Sondern ich habe den Zusammenhang zwischen der Umweltzerstörung und dem Fleischkonsum erkannt. Ausserdem möchte ich keine Lebewesen töten, wenn ich genug Alternativen habe (die auch noch echt lecker sind).

Am Anfang habe ich mich mit diesen Trolls noch unterhalten, die auf jedes Argument mit einem Gegenargument antworten. Das hat mich aber irgendwann so verzweifelt und mir soviel Lebensenergie geklaut, das ich damit aufgehört habe.

Wie ich zur Aktivistin wurde (und erstmal wieder nicht), kannst du hier lesen.

Bist du vegan oder vegetarisch? Welche Erfahrungen hast du am Anfang deiner Umstellung gemacht?

Ich freu mich von dir zu hören.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.