Wandertag in der Eifel

Nach dem ich im letzten Jahr den Jakobsweg gegangen bin, packt mich regelmässig die Unruhe. Davor auch schon, deswegen bin ich ja auch spontan den Jakobsweg gegangen, aber sie ist nicht weg. Ich spüre es so richtig körperlich. Das tiefe Bedürfniss, mehr als 5 min irgendwo hin zu gehen. Einfach nur immer weiter zu gehen.

Nicht immer schaffe ich es, das zeitnah umzusetzen. Im Januar war ich dann mehr oder weniger spontan mit Bella in der Eifel. Ist ja jetzt auch nicht so weit. Das Wetter war optimal, kalt-trocken und mein Ziel lockte mich schon lange. Jetzt wollte ich es endlich mal besichtigen. Die NS-Ordensburg Vogelsang.

Am 16.1. bin ich dann los. Erstmal die Kids in den Kindergarten und dann ca. 1 Stunde Autofahrt Richtung Schleiden / Rursee. Ich parkte ausserhalb des riesigen Geländes. Dort ist der Parkplatz erstens umsonst und zweitens war ich ja zum wandern da. Von dort aus bin ich erstmal in die Wüstung Wollseifen. Ja, ich musste auch erstmal Wiki fragen was denn bitte eine Wüstung ist….

Wiki sagt dazu, dass eine Wüstung eine aufgegebene Ortschaft ist, an die noch Urkunden, Flurnamen, Reste im Boden, Ruinen oder örtliche mündliche Überlieferungen erinnern. Geisterstädte hingegen sind durch verlassene, weitesgehend erhaltene Gebäude gekennzeichnet. So, jetzt wisst ihr das auch.

Da ich ein Fan von Lost Places bin, wollte ich auf jeden Fall dorthin und mir diesen Ort ansehen. Zuvor wandert man ein Stück durch Heidelandschaft. Da das ganze Gelände lange Truppenübungsplatz war, ist es ,ähnlich wie in der Wahner Heide in Köln, nicht sehr stark bewachsen. Heide ist widerstandsfähig und auch wenn immer wieder Panzer kommen, die Heide bleibt.

Nach knapp 30 min war ich in der ehemaligen Ortschaft angekommen. Da ich allein war, konnte ich auch in Ruhe alle Hinweis- und Erklärungsschilder lesen. Ich fand es sehr interessant. Die Bevölkerung lebte bis ins 19. Jahrhundert bescheiden vom Ackerbau, Schafzucht, Holzfällerei und Köhlerei. Durch den Bau der Urfttalsperre 1899-1904 begann auch der Fremdenverkehr in Wollseifen. Nach dem ersten Weltkrieg bekam der Ort als einer der ersten in der Gegend elektrische Stromleitungen.

Wie gesagt, liegt der Ort ganz in der Nähe der Ordensburg Vogelsang und als nach dem 2. Weltkrieg die Engländer kamen, machten sie alles rund um Vogelsang zum Truppenübungsplatz. Einschließlich des Ortes Wollseifen. Rund 500 Menschen mussten innerhalb von 3 Wochen ihre Häuser räumen. Die geräumten Häuser wurden Ziele für Schießübungen. Durch diese Schießübungen und Brände wurden nach und nach die Bauernhöfe zerstört und abgetragen.

Was noch steht ist die Kirche, das ehemalige Schulgebäude, das Trafohäuschen und eine am Dorfrand liegende Kapelle. Die Kirche ist offen und es findet immer am 19.August die Messe zum Rochusfest statt. Komisch war es trotzdem in dieser fast leeren Kirche zu stehen. Es gibt einen neugestalteten Chorraum mit einem schlichten Kreuz und 2 Bänken. Das wars.

Im ehemaligen Schulhaus ist eine kleine Ausstellung über Wollseifen untergebracht und die Kapelle am Dorfrand wurde von Ehrenamtlichen saniert. Es stehen auch einige Neubauten. Die Belgier haben sie errichtet für Schießübungen.

Da es jetzt kein gruseliger Ort ist, wo ein Massaker oder ähnliches stattfand, war es für mich jetzt auch nicht gruselig. Trotzdem gingen mir beim lesen der vielen angebrachten Infotafeln über diesen Ort die Nackenhaare hoch. Wie schrecklich muss es sein, wenn einfach jemand kommt und sagt, so jetzt mal alle weg hier, wir machen hier jetzt einen Truppenübungsplatz draus. Von jetzt auf gleich ist man obdachlos, vertriebener, Flüchtling… Das gab es also auch in Deutschland. Ich kenne das auch von Helgoland. Dort mussten auch alle gehen, weil die Engländer Helgoland in die Luft sprengen wollte. Wie wir wissen, hat es nicht funktioniert.

Und so ähnlich müssen sich die Menschen fühlen, die wegen irgendwelcher Tagebaus ihre Dörfer aufgeben müssen. Nun gut, zurück zu Wollseifen. Ich fand es mega interessant und habe mir diesen geschichtsträchtigen Ort in Ruhe angesehen. Von dort aus geht dann ein schöner Wanderweg in Richtung Vogelsang.

Weg von Wollseifen nach Vogelsang

Zuerst geht es auch erstmal bergab, bevor es am Ende dann noch mal richtig gut bergauf geht. Der Januar ist natürlich von den Farben her etwas langweilig. Dafür ist es total leer und ich habe meine Ruhe. Etwas das mir meistens sehr wichtig ist. Kurz nach Wollseifen kommt man noch einer anderen Wüstung vorbei. Ein sehr kleines Dorf von dem eigentlich nichts mehr zu sehen ist außer ein paar stark überwucherte Grundmauern von Häusern.

Wanderweg Wollseifen nach Vogelsang

Nachdem ich mir dann den Weg zur Ordensburg erkämpft habe (es wird wirklich sehr steil am Ende) wurde ich mit einem tollen Ausblick auf die Urfttalsperre belohnt. Die ehemaligen Gebäude der riesigen Anlage sind zum größten Teil neu genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg waren es erst die Engländer und danach die Belgier die Vogelsang als Kaserne nutzten. Seit 2006 ist Vogelsang als Internationaler Platz der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Es ist immer wieder faszinierend für mich, welchen Größenwahn Hitler hatte. Genau wie die riesen Erholungsanlage Prora auf Rügen hat er auch hier versucht, alles in monumentalen Ausmaßen zu errichten. Nichts ist hier klein oder zurückhaltend. Dadurch das Vogelsang nicht interessant war als Bombenziel, ist es auch noch komplett erhalten.

Inzwischen ist ein NS Dokumentationszentrum entstanden welches ich mir gerne ansehen wollte. Aber wohin mit Bella? Draussen lassen wollte ich sie nicht, es waren nur knapp 4° Grad. Und als Hund der Fußbodenheizung gewöhnt ist, wird sie leider schnell krank wenn sie einfach nur auf kalten Boden sitzt. Ich nahm sie mit rein und leinte sie an einer Treppe in der Ecke an. Dann fragte ich die nette Dame an der Kasse ob das ok wäre. Sie bat mir sofort an, das Bella sich hinter der Kasse in die Büros legen könnte wenn sie ein lieber Hund wäre. Natürlich ist Bella das. Und so durfte sie es sich unter einem Schreibtisch auf Teppich bequem machen.

Ich genoß derweil die sehr umfangreiche und sehr interessante Ausstellung über Vogelsang. Vieles hatte Hitler geplant, kaum was konnte er durch den Kriegsbeginn umsetzen. Zum Glück denke ich mal. Aber wie immer, alles gut geplant, durchdacht und bis ins letzte Detail auf seine Ideologie abgestimmt. Nirgends fehlte das Hakenkreuz.

Ich kann einen Besuch dort nur empfehlen. Landschaftlich ist es bombastisch. Es ist im Grunde mitten in der Eifel. Wer sich dann noch für deutsche Geschichte und/oder beeindruckende Bauten interessiert ist dort genau richtig. Man kann auch näher dran parken. Vom Parkplatz draussen bis zum Eingang ist es auf direktem Weg ca. 2,5 km.

Ausblick von Vogelsang auf die Urfttalsperre

Meine Gesamtkilometer an diesem Tag (ohne die Ausstellung) waren 7,98 km. Es ging 130m bergauf und auch wieder 130m bergab. Wobei 2 steile Steigungen von 11% dabei waren. Die waren jedoch kurz.

vogelsang

Ich benutze übrigens die app Komoot auf dem Handy. Ich habe mir die Wanderkarten für die Eifel gegönnt. Eine Region kann man sich kostenlos aussuchen, die anderen kosten je nach größe zwischen 3,49 oder 8,99€. Oder eben gleich die ganze Welt für 29,99€.

Ich plane damit gerne Touren und lass mich inspirieren. Die app zeichnet auch die Tour während der Wanderung auf, so dass ich hinterher sehe, wo ich gegangen bin und wie der Weg war. Also Höhenmeter, Geschwindigkeit, Anstieg etc. Schaut sie euch mal an, ich finde sie lohnt sich.

Hier ein paar Links für Euch :
Über Vogelsang und Umgebung hier klicken
Die App Komoot zum ansehen hier klicken
Über die Wüstung Wollseifen hier klicken

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.