Mein Weg durch die Depression

Ich war lange weg. Mein letzter Beitrag ist von Mai. Ich hatte auch im Mai schon erwähnt, dass ich im Moment wieder in einem Sturmtief hänge. Dieses Sturmtief war so stark, dass es mich im Juli von den Beinen geworfen hat. Mitte Juli war Ende, es ging nicht mehr. Ich bin in die Klinik. 

 

Für mich war es das erste Mal das ich in einer psychiatrischen Klinik war und es war eine gute Entscheidung, auch wenn es nicht leicht war. Als ich am 15.7. zum Arzt ging, weil es mir wirklich schlecht ging und ich sogar über Selbstmord nachdachte, sagte der nur zu mir, die LVR Klinik wäre das beste für mich jetzt. Ich brauchte einen Tag um darüber nachzudenken, denn auch wenn mir klar war, dass ich ganz tief im schwarzen Loch war, fiel es mir nicht leicht. 

Doch am 17.7. fuhr mich mein Mann morgens mit Koffer und Einweisung nach Bonn. Ich wurde auch direkt aufgenommen nach einem Gespräch und kam auf eine offene Station. Die ersten Tage waren für mich verwirrend. Ich musste mich zurechtfinden und es geschah erstmal nichts.  Ich bin an einem Mittwoch in die LVR und ab Montag starteten dann die ersten Therapien. Medikamte bekam ich bereits ab Donnerstag. 100mg Sertralin, ein Antidepressivum und 3 mal täglich Tavor, ein Beruhigungsmittel. Ich fühlte mich nämlich auch total unruhig und fand keine Ruhe. 

Das Tavor half mir irgendwie garnicht, deswegen bekam ich dann 3 mal täglich Pipamperon, das war besser. Die Nebenwirkungen waren die ersten Wochen krass. Ich zitterte den ganzen vormittag über, erst ab nachmittags lies es etwas nach. Ich war wie betäubt und sprach sehr langsam. Meine Idee im Krankenhaus viel zu lesen konnte ich vergessen, denn ich konnte mich nicht auf die Bücher konzentrieren. Und das wo ich gerne und viel lese. Es ging einfach nicht. 

Ich hatte jeden Vormittag Ergotherapie, wo ich vor allem malte. Ausserdem war ich einmal in der Woche in der Nordic Walking Gruppe und in einer Achtsamkeits Gruppe für Depressionskranke. Nach ca. 2 Wochen Aufenthalt bekam ich auch einmal die Woche Psychotherapie und die letzten 2 Wochen war ich noch in einer Gruppentherapie für Depressive. 

Alles in allem war es wenig Therapie und ich hatte viel freie Zeit. Die verbrachte ich entweder im Aufenthaltsraum mit anderen und wir spielten zum Beispiel SkipBo oder ich lag auf meinen Bett und schaute Netflix, da ich ja nicht lesen konnte. Zu mehr war ich auch nicht fähig. Es war, als hätte jemand alle Energie aus mir heraus gesaugt. Ab und zu schaffte ich es, einen Spaziergang im wunderschönen Park der Klink zu machen. 

Am Wochenende durfte ich für eine Nacht nach Hause. Meistens machte ich das auch von Samstag auf Sonntag. Die Kinder waren immer am weinen wenn sie mich Sonntags wieder zurück in die Klinik brachten, aber ich war viel zu schwach, müde und ausgelaugt um mir da Gedanken drüber zu machen. 

Ab Mitte August ging es etwas aufwärts. Die ganzen Nebenwirkungen der Tabletten liessen nach, ich war wacher und fühlte mich etwas besser. Jetzt war es langsam Zeit an zu Hause zu denken. Am 20.8. war es dann soweit und ich konnte entlassen werden. 5 Wochen war in der Klink gewesen. Ich hatte mit 2, höchstens 3 gerechnet. Aber es kam anders. 

Das mich die Depression so aus der Bahn werfen kann hätte ich nie für möglich gehalten. Da ich ja immer mal wieder depressive Phasen hatte, war es ja nichts neues für mich. Nur bisher bin ich da immer wieder alleine nach ein paar Tagen oder Wochen raus. Diesmal nicht. Ich bin froh dass ich in der LVR Klinik war und mir dort erstmal geholfen wurde. 

Zu Hause habe ich das Beruhigungsmittel weiter abgesetzt. Inzwischen nahm ich es nur noch 2 mal täglich, habe dann auf einmal täglich reduziert und es dann ganz abgesetzt. Die Ambulanz der LVR ist weiterhin mein Anlaufpunkt, da ich draussen monatelang auf einen Termin bei einem Psychiater warten müsste. Und mein Hausarzt verschreibt keine Psychopharmaka. 

Nach der Klinik bin ich weiter krank geschrieben wurden, da ich eine Reha bei der Rentenversicherung beantragt habe. Diese Reha wurde leider abgelehnt und ich hatte keine Lust Widerspruch einzulegen. Ausserdem wollte ich in eine psychosomatische Klinik damit ich ganz gesund werde und im besten Fall nie wieder so einen Zustand erreiche. Als ich im August bei meiner Wahlklinik anrief, bekam ich einen Vorstellungstermin für Ende Oktober!

Ich war dann Ende Oktober dort und man sagte mir, in ca. 3-4 Wochen erhalte ich Bescheid ob ich aufgenommen werde und wie lange das noch dauert. Tatsächlich kam Mitte November die Nachricht, ich wäre auf der Warteliste und als ich anrief und nachfragte erfuhr ich, ich könne wahrscheinlich ab Mitte Januar 2020 mit einer Aufnahme rechnen. 

Da es mir seelisch nicht wirklich besser ging und ich weiter sehr müde war, hat dann der Psychiater im November die Medikation geändert. Ich bekam ein anderes, neues Antidepressivum. Dieses Medikament ist erst seit März in Deutschland erhältlich. Was soll ich sagen. Es ging mir von Tag zu Tag besser. Heute, wo ich das schreibe, geht es mir großartig. Ich brauche wieder normalen Schlaf von 7-8 Stunden, bin mittags nicht mehr müde. Ich bin wieder aktiv, habe Lust nach draussen zu gehen, mich mit Menschen zu treffen. Ich lache wieder viel mehr. 

Wieso frage ich mich, habe ich dieses Medikament nicht schon viel früher bekommen? Es hätte mir wahrscheinlich viele Wochen erspart, die dunkel und schwer waren. Wer keine Depression kennt, kann schwer nachvollziehen wie es einem geht. Es ist nicht einfach nur dass man sich ein bisschen traurig fühlt. Jeder Tag ist grau. Es ist nicht möglich sich über irgendwas wirklich zu freuen. Alles war mir nicht möglich mich über irgendwas zu freuen. Alles war mir zuviel. Ich war ständig müde und wollte am liebsten nur schlafen wenn die Kinder aus dem Haus waren. Um nicht ständig nachzudenken, habe ich viele Hörbücher gehört oder Fernsehen geschaut. 

Ich beschreibe meine Depression gerne als großes schwarzes Loch das sich vor mir auftut und in das ich hineinfalle ohne was machen zu können. Ich stecke dann in diesem Loch fest und sehe kein Licht am Horizont. 

Jetzt ist das alles erstmal wieder vorbei. Doch es hat lange gedauert. Viel zu lange diesmal. Es ging im März/April los und ging bis vor 1, 2 Wochen. Mir ist klar, dass ich die Medikamente erstmal nicht absetzen kann, denn dann werde ich wahrscheinlich wieder in das Loch schauen und fast hineinfallen. Aber das ist für mich im Moment ok. Die neuen Medikamente haben auch Nebenwirkungen. Die ersten Tage hatte ich Hitzewallungen ohne Ende und schwindelig ist mir immer noch. Abe die Hitzwallungen sind weg und der Schwindel lässt jeden Tag etwas nach. 

Mein Arzt sagte, das würde immer besser werden und irgendwann hätte ich keine Nebenwirkungen mehr. Ich hoffe es sehr. Das es mir jetzt wieder so gut geht, habe ich die Kraft mein Leben wieder gestalten zu wollen. Meinen alten Job habe ich gekündigt. Ich hatte den besten Arbeitgeber den man sich vorstellen kann, nur leider war der Inhalt meiner Arbeit nichts für mich. Da ich noch als Aushilfe im Malteser Krankenhaus gearbeitet habe, habe ich mich kurzerhand dort gemeldet und gefragt ob ich auf 75% aufstocken kann. 

Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit dem Pflegedirektor und morgen habe ich einen persönlichen Termin mit ihm. Denn ich möchte noch etwas anderes. Ich habe eine Ausbildung als Altenpflegerin gemacht, merkte jedoch immer mehr, das mich Bereiche im Krankenhaus interessieren, die für mich nicht zugänglich sind. Die Intensivstation zum Beispiel, oder die Weaning oder Notaufnahme. Deswegen möchte ich gerne nächstes Jahr meine Ausbildung zur Krankenschwester machen. Da ich schon ein Pflegeexamen habe, wird mir die Ausbildung um eine gewisse Zeit verkürzt. 

Darum soll es morgen gehen. Denn Herr Koch wollte sich an der Schule informieren, wieviel mir anerkannt wird. Bevor ich dann am 1.4. oder 1.9 die Ausbildung starte, möchte ich am 1.1. ganz normal auf Station arbeiten.Ja, ab 1.1. Denn ich habe beschlossen, nicht in die Klinik zu gehen, sondern die Therapie ambulant mit meinem Psychotherapeuten zu machen. Denn es geht mir gut, ich bin motiviert und möchte nach fast 6 Monaten arbeitsunfähigkeit endlich wieder zurück. Ich vermisse meinen Job. 

Ich habe das mit dem Psychotherapeuten und meinem Psychiater in der LVR Ambulanz besprochen und beide haben mich bestärkt dass es ein guter Weg wäre, da die Arbeit für mich eine positive Ressource darstellt. Jetzt bin ich sehr gespannt was morgen alles so herauskommt in dem Gespräch. Ich hoffe sehr, dass ich meine Ausbildung im Malteser Krankenhaus machen kann und mich nicht woanders bewerben muss. Denn ich kenne dieses Krankenhaus ja schon durch meinen Nebenjob und es ist das am schnellsten erreichbare von uns aus. Die Leute dort sind alle sehr nett und es ist nicht so riesig wie z.B. die Uniklinik Bonn. 

So, dass war ein Schnelldurchlauf durch meine letzten Monate. Ab jetzt wird es wieder öfters hier was von mir zu lesen geben 🙂 

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