Ist Kleiner wirklich besser?

Seit fast 6 Jahren wohnen wir jetzt in einem 3-stöckigen Einfamilien-Haus zur Miete in Rheinbach. Als wir damals nach Rheinbach gezogen sind, hatten wir die Idee, statt einer Wohnung mal ein Haus zu mieten. Inzwischen hatten wir ja auch 3 Kinder und den Hund, und eine 5-Zimmer Wohnung zu finden ist tatsächlich sehr schwer. Wir hatten auch nur einen kleinen Zeitrahmen, denn ich wollte, das meine Jungs nach den Sommerferien direkt in die neue Schulen gehen können, damit sie von Anfang dabei sind und nicht mitten im Schuljahr. Vor allem da es für meinen Größten das letzte Schuljahr auf der Realschule war.

Genau 2 Häuser haben wir uns dann auch angesehen, und unser jetziges ist es geworden. Wir haben dort im EG einen offen Wohnbereich mit Küche, Abstellkammer, Gäste WC. Mit offen meine ich offen. Es gibt eine Wand die Flur von Küche trennt, dafür ist die Küche zum Wohnzimmer offen und der Flur ebenso. Wenn man also zur Haustür reinkommt, schaut man direkt ins Wohnzimmer. 

Im 1. OG sind dann 3 Schlafzimmer und das Bad. 2 Zimmer sind fast gleich groß, dort sind damals die Jungs eingezogen und das 3. ist etwas kleiner. Es wurde erstmal zum Büro. 

Dann gibt es noch das 2. OG mit einem großen Dachstudio mit Schrägen, einen kleinen Raum mit Schrägen und die Waschküche mit WC und Waschbecken. 

Im Dachstudio zog unser Schlafzimmer ein, das kleine Zimmer daneben sollte dann erstmal Evas Zimmer werden wenn sie nicht mehr bei uns schläft. Die Zimmer haben wir im Laufe der Jahre öfters gewechselt. So wurde aus dem Kleinen Zimmer im 1.OG Evas Zimmer. Evas altes Zimmer im 2. OG wurde unser Schlafzimmer und aus dem Dachstudio ein großzügiges Büro. 

Als dann Christian auszog, bekam Eva sein Zimmer und ich machte mir in ihrem kleinen Zimmer ein eigenes Zimmer fertig! Endlich, ein Zimmer ganz für mich, so wie ich es haben will. Meine Deko, meine Farben. 

Zimmer wechsel dich

Benjamin hatte inzwischen unser altes Schlafzimmer bekommen und Marcus schlief wieder mit im Büro. Dann zog Benjamin mit zu Eva ins Zimmer (das hatten die Kinder selbst entschieden) und als Patrick dann auszog machte sich Marcus das Zimmer als Schlafzimmer zurecht.

Könnt ihr noch folgen? Also jetzt schlafen wir alle im 1. OG. Das Dachstudio ist reines Arbeitszimmer und das kleine Zimmer dort oben ist  Abstellkammer, Trockenraum und Nähecke in einem. Irgendwann sollte dann Benjamin sein eigenes Zimmer haben und wir dann nur noch 1 Schlafzimmer. Natürlich gebe ich mein wunderschönes Zimmer nicht her 😉 

Alles in allem sind es 140 qm Wohnfläche und viele, viele Ecken. Ecken im Treppenhaus, in jedem Zimmer, in den Fluren…. Ecken in denen sich Staub und Tierhaare sammeln, und Spinnweben. Ecken die viel Zeit erfordern. Ausserdem viele Türen und Lichtschalter die dreckig werden und viele Lampen. Da war (mal wieder muss ich sagen) der Gedanke geboren, uns doch jetzt zu verkleinern. Eigentlich reichen doch auch 4 Zimmer aus. Und dann zahlen wir auch weniger Miete und können das Geld verwenden um uns schöne Dinge zu gönnen, vor allem Ausflüge bzw. Kurzurlaube. 

Was soll´s denn sein bitte?

Bevor wir mit der Suche begannen, überlegten wir auch, wo wir überall hinziehen wollen. Für mich ist es fast egal. Ich muss mit dem Auto zur Arbeit und weiß ja auch nicht, ob ich nicht mal woanders arbeite. Also beim selben Arbeitgeber, aber anderer Patient. Marcus wollte nicht mehr als maximal 30 minuten Fahrtweg haben. Und bitte am besten vor dem 1.9. damit Eva eventuell woanders eingeschult wird. 

Also suchte ich im Radius 25 km um Rheinbach, um festzustellen, es ist sauteuer im Rheinland. Wo es günstig ist, ist zum Beispiel Bad Münstereifel. Aber auch nur in den Höhendörfern, wo dann  kein Supermarkt, kein Bäcker, nix ist. Kinder werden mit dem Bus zur Schule gebracht und von den Eltern mit dem Auto in die Kita. Da gibt es dann tatsächlich für 600€ kalt noch 5 Zimmer oder ganze Häuser zu mieten. Auch in Swisttal geht es teilweise. Eine Immobilie war in Erftstadt, aber ohne Balkon, Terrasse oder Garten, dafür in sanierten alten Gemäuern.

Dann fand ich eine Wohnung in Rheinbach. 4 Zimmer, in der Kernstadt, für 350€ weniger Miete als unser Haus. Also nix wie ansehen. Sie lag im 3. Stock eines Mehrfamilienhauses. Ein Riesen Wohnzimmer, eine kleine Küche und ein Gäste WC im 3. Stock. Dazu ein Balkon. Dann ging es eine Holztreppe nach oben, dort waren ein großes Kinderzimmer, ein Durchgangszimmer das ins Schlafzimmer führte und ein innenliegendes Bad mit Wanne und Dusche. 

Auch hier Balkon, zur anderen Seite raus. Keine Frage, es war eine nette Wohnung. Marcus war sehr angetan, vor allem lag sie 5 min zu Fuss von seiner Arbeit entfernt. Ich wußte nicht so recht was ich davon halten sollte. Von all den anderen Menschen die ich angeschrieben hatte wegen Besichtigung hatte sich noch keiner wieder gemeldet. Es war also die einzige Wohnung die wir uns angesehen haben. Aber mitten im Rheinbach. Keine andere Schule für Eva, kein anderer Kindergarten für Benni und 350€ weniger Miete. 

Schon 2 Tage später saßen wir beim Vermieter und hatten eine 95% Zusage. Danach begann ich mir Gedanken zu machen, wie ich die Wohnung einrichten kann. Was wird aus dem Durchgangszimmer? Wird es ein Kinderzimmer? Wo kommt das Schlafzimmer hin? Und was passiert eigentlich mit all unseren Sachen? Es gibt ja noch nicht mal eine Abstellkammer. Nur einen Kellerraum. Als ich in meiner Küche stand und spülte und dabei aus dem Fenster sah ( wir schauen direkt auf einen belebten Kreisverkehr, haben aber vor unserem Haus eine Tempo 30 Straße) dachte ich daran, dass ich in der Wohnung kein Fenster in der Küche hatte. Also keins zum rausschauen. Die Fenster waren nur halbhoch und gingen auf dem Zugangsbalkon raus. Es gab nur wenig Tageslicht in der Küche. 

Als ich das Toilettenpapier auffüllte im EG überlegte ich, wo ich in Zukunft das Toilettenpapier lagere, und den Staubsauger und das Bügelbrett. All die Dinge, die jetzt in der Abstellkammer unter der Treppe lagern. (Wir haben keinen Keller). Und was ist mit all den Sachen aus der Garage? Wir haben einen kleinen Dachboden, vielleicht 90 cm hoch, aber auch er ist voll. Mit Kleidung der Kinder die zu klein ist und noch weg muss, mit Spielzeug der Jungs, vor allem Lego und Playmbobil, Bücher… Dinge die darauf warten das Eva und Benjamin alt genug dafür werden. Und natürlich leere Umkartons von Fernsehern, Computern…. Die wir angeblich unbedingt behalten müssen. 

Ich komme ins nachdenken….

Naja, da oben stören sie erstmal keinen. Die Idee sich zu verkleinern hörte sich für mich erstmal super an. Doch beim näheren betrachten bekam ich echt Zweifel. Denn aus 6 Zimmern, einen Dachboden, einer Garage (Doppelgarage wohlgemerkt) und einer Abstellkammer, auf einmal nur noch 4 Zimmer ohne Garage, ohne Abstellkammer und nur mit kleinem Kellerraum zu machen ist eine wahnsinnige Mammutsaufgabe. Und das alles bis zum 1.6. Dann würden wir dort einziehen können. 

Dann kam noch der Hund ins Spiel. Ich muss um 4:15 Uhr aufstehen wenn ich Frühdienst habe, weil ich um 5:10 Uhr aus dem Haus gehe. Ich brauche morgens einfach meine Zeit. Den  Hund lass ich dann morgens schnell in den Garten. In der Wohnung geht das nicht mehr. Da muss ich mit ihr runter zum Gassi gehen. Und sie ist 11 Jahre alt. Wie lange schafft sie noch die 3 Stockwerke hoch und runter? Bella ist kein Schoßhund, den trage ich da nicht mal eben so runter. Will ich wirklich um 4 Uhr aufstehen um dann mit ihr rauszugehen? Und mittags wenn ich heimkomme direkt dasselbe? 

Ich gehe ja jetzt auch mit ihr spazieren, finde es aber äußerst praktisch, dass ich sie morgens einfach mal rausgehen lassen kann. Und die Kinder? Sie sind jeden Nachmittag nach dem Kindergarten sofort draussen in der Siedlung unterwegs. Entweder spielen sie mit anderen auf der Strasse (wie gesagt, Anwohnerstrasse, die fahren alle langsam) Fahrrad oder Roller oder malen mit Kreide, sie gehen zum Spielplatz mit größeren Kindern oder alle sind bei uns im Garten, weil Opa und Marcus letztes Jahr so ein tolles Baumhaus gebaut haben. Das alles fällt weg. Sie können immer noch raus. Kennen aber erstmal keinen. Dann müssen sie immer erst 3 Stockwerke runter. Machen sie das dann auch? Oder sind sie dann mehr in der wohnung? 

Mir fielen immer mehr Argumente für das Haus ein. Und von Tag zu Tag fühlte es sich falscher an es aufzugeben. Mein Bauch sagte mir immer deutlicher, es ist ein Fehler. Was nutzt dir die Mietersparniss wenn du dich in vielen Dingen verschlechterst? Und was ist mit dem vielen Putzen? Tja, da muss ich wohl durch. Ich putze schon deutlich weniger als früher. Ich kann jetzt besser über Dinge hinweg sehen. Es muss nicht immer überall super sauber sein. Ich gehe arbeiten, habe 2 Kinder und einen Garten, einen Hund, einen Mann und auch noch ein eigenes Leben. Deswegen, ja ich putze, es könnte sicherlich viel sauberer bei uns sein. Würde mich das glücklicher machen? 

Macht putzen glücklicher?

Früher dachte ich ja, heute weiß ich, nein wird es nicht. Es ist aufgeräumt und die Toiletten und Waschbecken sind immer sauber. Ob das Treppenhaus jetzt einmal im Monat gefegt und gewischt wird, oder alle 2 Wochen ist unwichtig. Ich mache es so wie es passt und mir gefällt. Meistens mache ich an meinen freien Tagen eine Etage komplett. Irgendwann mache ich auch mal wieder die Deckenlampen sauber. Ist bestimmt ein Jahr her. Die Lichtschalter putze ich, wenn mir Dreck daran auffällt am liebsten sofort. Alle 2-3 Tage wird das Erdgeschoss gesaugt. Entweder mache ich das selbst, oder unser Saugroboter von Vorwerk. Einmal die Woche wird dann gewischt.

Die oberste Etage ist mein Stiefkind. Dort putze ich sehr selten. Nur die Waschküche mache öfters. Da hat die Katze ihr Klo und ich möchte einen sauberen Boden haben. Aber das Studio? Vielleicht alle 2 Monate mal. Also, warum der Stress mit dem Umzug? Das wäre nämlich wirklich Stress. Alles ausmisten, verpacken und überlegen wie wir das alles hin bekommen.

Pimp your house

Ich sagte Marcus meine Bedenken. Er war gottseidank damit einverstanden wohnen zu bleiben. Meine erste Tat am nächsten freien Tag war, mir das Erdgeschoss, sprich Küche und Wohnzimmer mal genauer anzusehen. Ich habe aufgeschrieben was mir gut gefällt und wo ich gerne was ändern würde. Zum Beispiel mehr Licht. Ausserdem wurde das Wohnzimmer wieder umgestellt. Marcus hatte mir eine Zwischenwand gebaut als ich auf dem Jakobsweg war. Jetzt ist der Flur vom Wohnzimmer getrennt, was dem ganzen eine sehr viel gemütlichere Atmosphäre gibt. Deswegen hatte er den Esstisch umgestellt. Ich habe jetzt alles wieder umgestellt. Am Samstag bin ich dann zu Ikea und habe Lampen gekauft. Ausserdem habe ich in der Fundgrube den Sessel bekommen den Marcus schon so lange haben wollte.

Er hat sich total gefreut als er nach Hause kam und ihn sah. Mein Ziel ist es jetzt also es einfach alles so zu machen wie ich es gerne hätte. Nichts mehr aufzuschieben, wie zum Beispiel die Idee unter den Hochschränken in der Küche Lampen für die Arbeitsplatte zu haben. Das habe ich jetzt. Ausserdem eine schöne Stehlampe neben dem Sofa und eine Lampe auf der Vitrine. Der nächste Schritt wird sein, das Wohnzimmer zu Ende zu tapezieren und danach den Flur.

Wenn ich durch die Siedlung fahre in den Kindergarten, fällt mir jetzt auch auf, dass wir eines der wenigen Häuser mit Garage sind. Wir haben nämlich ein Reihenendhaus. Dadurch ist auch unser Garten größer als die meisten anderen. Trotzdem zahlen wir weniger Miete als andere für ihre kleineren Häuser hier in der Siedlung. Habe ich auch jetzt herausgefunden. Ich bin also jetzt dazu übergegangen, wirklich sehr dankbar zu sein für unser Haus. Und es einfach jetzt so schön wie möglich zu machen, denn eins ist mir jetzt klar:

Hier gehe ich so schnell nicht weg 😉

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