Es wird realer

13.09.2018

Mein Pilgerpass ist da! Heute kam er mit der Post zu mir und macht das ganze noch realer. Ich habe ihn bei einem Onlineshop bestellt und kann garnicht glauben das er jetzt da liegt. Wahnsinn. Bestellt habe ich auch gleich das Notfallset in diesem Shop. Darin enthalten ist ein kleines Nähset, eine Wäscheleine (zum Trocknen und reparieren geeignet), die Jakobsmuschel für den Rucksack außen (um sich auch als Pilger zu erkennen zu geben), SIcherheitsnadeln, ein Göffel (eine Löffel und eine Gabel in einem, spart Besteck), Ohropax für die Herbergen (für guten Schlaf).

In fast jeder Packliste die ich gelesen habe, stehen diese Dinge drauf, und bei pilgino bekam ich eben all das direkt zusammen und in praktischer Ziploc Tüte. Fand ich sehr praktisch. Die Beutel braucht man eh. Um alles im Rucksack wasserdicht einzupacken. Natürlich habe ich einen Regenschutz für den Rucksack und meine neue, tolle, superregendichte Regenjacke. Aber wo liegt die Schwachstelle? Am Rücken. Da ist der Rucksack nämlich ungeschützt und wenn es stark regnet, läuft das Wasser zwischen Rücken und Rucksack runter und in den Rucksack rein. 

Deswegen ist der Tipp, wenn man auf den Regenponcho verzichtet (so wie ich, ich habe ihn ausprobiert und er war nix für mich) dann entweder alles in Zipperbeutel, wasserdichte Packbeutel (teuer) oder den Rucksack komplett mit einer Tüte austatten. Nix ist ekliger als abends einen feuchten Schlafsack auszupacken oder klamme Klamotten. Ich kenn das, wir hatten früher mal ein Schiff und manchmal war einfach alles klamm an Bord, das war mies…

Ich habe mich für die Zipperbeutel entschieden. Muss ich nur noch besorgen. Ausserdem kann ich mit den Beuteln direkt alles sinnvoll sortieren. Ein Griff und ich habe alles was ich zum Waschen brauche, oder meine Unterwäsche oder T-Shirts. Sorgt also auch für Ordnung im Rucksack. Find ich gut. Werde ich nachher mal bestellen.

Strumpfhose?? Echt jetzt?

Dann habe ich natürlich darüber nachgedacht, wie warm oder kalt es wohl sein wird. Brauche ich Thermo Unterwäsche? Ich dachte ich hätte noch welche, aber die muss ich wohl schon vor ewigen Zeiten mal aussortiert haben.

Jetzt war ich aber ja heute hier wandern. Zum einlaufen und trainieren. Das waren 7 km und ich habe meinen neuen Rucksack mit allem gepackt was ich schon habe plus 2 L Wasser. Das waren dann 6 Kilo Gewicht die ich hatte. Wir hatten hier heute 14°C und immer mal wieder etwas leichten Nieselregen. Also durchaus etwas was mir auf dem Caminho im Oktober passieren kann…. (Ich hoffe natürlich auf 20°C und kein Regen.)

Und ich habe für mich festgestellt, ich brauche keine Thermo Wäsche. (Jaja, ich weiß, aber ich bin echt totaler Anfänger und da stellt man sich solche Fragen). Ich hatte ein T-Shirt an, darüber meine Regenjacke und meine Trekkinghose. Natürlich alles Funktionswäsche. Mir war ausreichend warm, ich habe sogar geschwitzt. Ich neige eigentlich auch nicht zum frieren, mir ist schnell warm wenn ich mich bewege. Wenn ich sitze wird mir allerdings schnell kalt.

Das habe ich eben schon gemerkt. Als ich nach Hause kam, ich war ja dann nass geschwitzt, und als ich dann langsam abkühlte wurde mir auch kalt. Ich bin dann auch schnell unter die Dusche gegangen um den Schweiß abzuwaschen und mich umzuziehen. Das war dann nicht mehr schön. Aber das ist hoffentlich auf dem Caminho auch so, das die Herbergen schon aufhaben wenn ich ankomme und ich dann nicht so lange auf eine heiße Dusche warten muss (ein bisschen „wünsch-dir-was“ darf ja noch sein….)

Dann hatte ich doch tatsächlich Strumpfhose auf der Packliste stehen, falls es mir mal zu kalt ist. Was für ein Blödsinn. Dann fällt ja der Effekt der Wandersocken weg…. Also wieder gestrichen. Kein Mensch trägt eine Strumpfhose auf dem Jakobsweg sondern höchstens Leggings…. Naja, manchmal habe ich eben komische Einfälle, gut ich das ich meist noch eine bessere Einsicht habe 😉

Abwarten und Tee trinken

Ich bin mir sicher das mir warm genug sein wird. Jetzt wird es langsam immer konkreter. Marcus meinte heute zu mir „Ist dir eigentlich klar, das du jetzt innerhalb von 3 Tagen mal eben den Jakobsweg geplant hast?“ Das stimmt so nicht ganz. Ja, ich habe viel erledigt. Ich hatte die letzten 3 Tage aber auch frei. Heute muss ich wieder in den Nachtdienst (wo ich aber auch viel Zeit habe). Aber dadurch konnte ich natürlich viel erledigen und mich schon mit vielen eindecken. Versuche aber auch mich zurückzuhalten. Denn vielleicht kommt ja noch der ein oder andere Tipp über den ich stolpere und dann habe ich vielleicht schon was gekauft und Geld unnütz ausgegeben.

Bis jetzt habe ich, denke ich, nur die Sachen gekauft, die auf allen Packlisten standen und die auch recht günstig erworben. Den Rucksack für 40€ kann ich nur empfehlen. Ich habe ihn ja heute getragen, 2 Stunden lange mit 6 Kilo, und kann mich nicht beschweren. Er drückt nirgendwo, ist sehr bequem, lässt sich super einstellen. Er hat den wichtigen Hüftgurt, hat hinten 2 Gurte mit den man ihn noch näher an den Rücken ziehen kann.

Für meine Wanderung heute habe ich mir dann auch Hape Kerkelings Hörbuch „Ich bin dann mal weg“ noch mal geholt und gehört. Auch wenn ich einen anderen Jakobsweg gehe (Hape ist den Caminho Frances gegangen), ist es doch ein ähnliches Feeling. Er ist mit 11 Kilo im Rucksack gestartet und hatte viel zu viel dabei. Er hat dann einiges rausgeworfen unterwegs. Das Hörbuch, das er auch selbst spricht, ist wirklich sehr lustig und ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Jedes Gramm zählt (da ist er wieder…)

Ich will versuchen, das mein Rucksack nicht schwerer wird als 6 Kilo (ohne Wasser und Essen). Das ist mein eisernes Ziel. Bis jetzt liege ich noch gut im Rennen mit knapp 4 Kilo und schon fast allem drin. Ich bin gespannt ob ich es schaffe. Morgens ist er ja auch schwerer, weil ich ja dann meine Wasserblase gefüllt mit drin habe. Je nachdem wie voll ich die mache. Ich kann bis zu 2,5 l Wasser darein  machen, allerdings macht das wenig Sinn bei hohen Temperaturen, denn das Wasser wird ja auch warm und soweit ich in Erfahrung gebracht habe, gibt es genug Stellen um es wieder aufzufüllen (Brunnen oder Supermärkte). Also lieber nur knapp 1 l auffüllen.

Ich finde die Trinkblase super. Sie kommt hinten in eine extra Tasche im Rucksack und dann wird ein Schlauch aus dem Rucksack über die Schultergurte geführt. So kann ich immer trinken ohne den Rucksack abzusetzen und ich habe festgestellt, ich trinke dann tatsächlich auch mehr. Für mich super, da ich eher zu wenig als zu viel trinke.

Minimalismus

Ich will ja auch garnicht soviel mitnehmen. Denn meine Idee ist ja eben die Reduzierung, Minimalismus. Ich bin übersättigt von all den Dingen die wir haben, die wir besitzen. Von all dem Konsum. Wir wohnen in einen großen Haus. Wir haben 6 Zimmer (plus 1 Bad, 2 Toiletten, Küche). Ok, ich habe auch 4 Kinder und als wir hier eingezogen sind vor 5 Jahren und es nur 3 waren, hatte jeder sein eigenes Zimmer. Inzwischen wohnen nur noch die Kleinen hier. Im Grunde haben wir 2 Zimmer zuviel.

Vieles von dem was wir besitzen ist überflüssig und wird eigentlich nicht gebraucht, wenn wir mal ehrlich sind. Es ist schon Luxus. Im Moment haben mein Mann und ich jeweils ein Schlafzimmer und die Kinder haben ein Kinderzimmer weil sie noch zusammen eins haben wollen. Wir haben 2 Schlafzimmer weil ich ja auch oft Nachtdienst habe oder morgens sehr früh aufstehe und es dann nützlich sein kann, wenn wir getrennt schlafen. Auch das ist Luxus. Auch wenn es für die Schlafhygiene super ist.

Alle Zimmer sind voll mit Konsum, Zeugs, Spielzeug und und und…..Ich bin ständig am aussortieren und trotzdem ist noch soviel da. Und das finde ich wahnsinnig anstrengend. Denn all das muss auch in Schuss gehalten werden. Und da fängt es eben an schwierig zu werden. An die Putzerei von 140qm habe ich mich inzwischen gewohnt. Wir haben auch entschieden das wir nicht umziehen werden, weil es finanziell keinen Sinn macht und es einfach keine guten Angebote hier im Umkreis gibt. Deswegen können wir uns das sparen.

Warum will ich überhaupt pilgern?

Eines der Wünsche fürs Pilgern war dann von mir tatsächlich „Wenn ich jetzt mal mit ganz wenig auskommen muss und habe tatsächlich nur 2 Sets Kleidung und wirst feststellen das es trotzdem funktioniert und das du nicht sterben wirst daran, vielleicht hilft das, auch zu Hause mal den Konsum zu verändern. Sich einfach mal einzuschränken. Weil ich beim Pilgern die Erfahrung gemacht habe, es braucht nicht viel.“

Jetzt könnte man auch sagen, dafür brauche ich nicht pilgern gehn. Das ist doch einfach eine Entscheidung im Kopf. Aber ich glaube, so einfach ist auch nicht immer. Wenn ich die Erfahrung gemacht habe, so ganz radikal, dann geht es schneller. Und ich WILL diese Erfahrung machen. Mit ganz wenig auskommen, nur auf das wesentliche konzentrieren. In dem Fall ist es dann: Gehen, essen, schlafen, repeat.

Mich nicht darum zu kümmern, wie sehe ich aus. Bin ich vernünftig geschminkt, sitzen meine Haare gut. Das ist alles unwichtig, wird unwichtig werden. Durch die Reduktion auf das wesentliche erhoffe ich mir auch, das sich mein Geist öffnet. Um mir Fragen zu stellen, zu beantworten, zu hinterfragen. Die Sinnfrage natürlich. Wofür bin ich hier, was soll das alles….??

Durch das Pilgern komme ich mir selbst näher, bin reduzierter, kommen neue Gedanken. Das sind ja die Aussagen der anderen die es schon gemacht haben. Und das ich auch mein Wunsch. Das kommt alles so ein bisschen zusammen.

Bitte mehr Kondition

Ich bin sehr gespannt wie es am Ende sein wird. Es macht jetzt schon was mit mir. Bei dem Vorbereitungslaufen wie heute merke ich schon, mein Körper kommt an seine Grenzen. Mir tun die Beine weh, und ich bin nur 7 km gegangen. Ich komme schnell ausser Atem wenn es bergauf geht. Ich habe jetzt ganz viel Zeit und kann mich abholen lassen. Das kann ich auf dem Jakobsweg alles nicht mehr. Ich muss am Freitagabend, den 19.10., in Santiago sein, weil Samstag mittag geht mein Flieger nach Hause. Und um 11 Uhr muss ich auf dem Flughafen sein.

Da ist es schwieriger zu sagen, ich gehe langsamer oder morgen weiter, denn dann muss ich am nächsten Tag mehr laufen. Ein Teufelskreis. Also will ich die restlichen 3 Wochen gut nutzen um mich vorzubereiten. Vorgestern waren es 4 km, heute knapp 7,5 km und  ich möchte mich langsam steigern. Dann glaube ich, das sich mein Körper gut anpasst und mich auch nicht im Stich lässt.

Meine Vorbereitung besteht natürlich auch darin meine neuen Sachen alle mal durchzuwaschen. Die Socken muss ich sogar vor dem ersten tragen waschen, da ist eine Schicht drauf zum weben die man erst abwaschen muss damit die Socken ihren Dienst erfüllen. Beim nächsten Mal kann ich sie dann tragen um sie zusammen mit den Schuhen einzulaufen.

Ich hoffe ich brauche keine neuen Schuhe, und komme gut mit den Wanderschuhen und den neuen Socken klar. Denn das Geld würde ich sehr gerne sparen. Jetzt muss ich aber schlafen gehen, denn ich habe ja heute noch Nachtdienst und muss noch ein wenig vorschlafen.

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