Ein Schritt Richtung Normalität

Mir geht es von Tag zu Tag etwas besser. Ich bin mir sicher, es liegt mit an den neuen Medikamenten die ich bekomme. Deswegen war es für mich auch keine Frage, dass ich wieder arbeiten gehen möchte. Ich habe mich deswegen bei meinem Aushilfsjob Arbeitgeber, dem Malteser Krankenhaus in Bonn, gemeldet.

Ich habe eine lange Reise durch die Arbeitswelt hinter mir. Wer mich schon länger kennt, weiß das. Ich bin auf der Suche. Wo will ich hin? Was ist meine Berufung? Wo ist mein Platz? Ich denke, dass sind Fragen, die sich viele Menschen stellen. Das ich sie für mich so schwer beantworten kann, ist sicherlich mit ein Teil der dazu geführt hat, dass ich so tief in die Depression gefallen bin.

2018 war ein sehr bewegtes Jahr für mich. Ich wollte mich als Coach selbstständig machen, habe eine Weiterbildung in diese Richtung angefangen. Nach einigen Wochen und auch Coachees stellte ich für mich fest, dass ich mich vertan habe. Ok, das gehört zum Leben. Jeder vertut sich mal. Im ein oder anderen Bereich. Ich habe mich dann wieder meiner Ausbildung als Altenpflegerin zugewandt.

Diese habe ich von 2004-2007 absolviert, weil ich a) in meinem ersten Ausbildungsberuf in der Krankenkasse keinen Fuss mehr fassen konnte nach 6 Jahren Abwesenheit, mir b) ein Bürojob auch irgendwie nicht so wirklich gefallen hat und ich c) festgestellt habe, dass Pflege mir gefallen könnte.

Danke Elke

Diese Erkenntnis verdanke ich meiner Ex-Schwiegermutter Elke. Sie war damals, also 2003, Pflegedienstleiterin in einem Altersheim und bot mir an ein Praktikum im Haus zu machen. Ich fühlte mich sehr wohl und sah einen Sinn in meiner Arbeit. Ich merkte, dass ich schnell einen Draht zu den Senioren bekam, und gerade die „schwierigen“ Bewohner konnte ich gut versorgen.

Elke ist vor wenigen Wochen nach langer, schwerer Krankheit mit 66 gestorben. Ich war am Dienstag auf ihrer Beerdigung. Da wurde mir noch mal richtig bewusst, dass ich ohne Sie niemals in der Pflege arbeiten würde. Und auch wenn ich seit 2007 manchmal an meiner Berufswahl gezweifelt habe, bin ich mir inzwischen sehr sicher, Pflege ist meine Berufung.

Danke Elke <3, mögest du in Frieden ruhen.

Meine beruflichen Stationen seit meinem Examen im Schnelldurchlauf:

ASB Bonn im ambulanten Dienst, Altenheim Rösrath, Altenheim Engelskirchen, 2 ambulante Dienste in Gummersbach, Kinderintensivpflege, Reha Klinik Bad Godesberg, Intensiv WG Rheinbach.

Nach der Intensiv WG kam meine Coach Phase und März 2018 habe mich selbstständig als Altenpflegerin gemacht. Ich habe dann bis Ende 2018 für verschiedene Kunden immer in der ambulanten Intensivpflege gearbeitet. 1.1.19 habe ich dann bei meinem besten Kunden als Festangestellte wieder angefangen. Seit 1.5.19 war ich als Aushilfe im Malteser Krankenhaus.

Faszination Krankenhaus

Schon immer hat mich die Atmosphäre im Krankenhaus fasziniert. Ich kann nicht sagen, was es ist. Viele Menschen mögen keine Krankenhäuser. Sagen, sie riechen nach Verfall und Desinfektionsmittel. Ich kann weder das eine noch das andere wahrnehmen. Für mich strahlen sie etwas, ja fast magisches aus. Eben eine Faszination.

Nach meinem 2. Einsatz als Aushilfe im Krankenhaus und vielen Gesprächen mit meinen Kollegen dort, beschloss ich, sehr schweren Herzens, meine Stelle in der Intensivpflege zu kündigen und mich im Krankenhaus fest anstellen zu lassen. Alles war in die Wege geleitet, da kam ich in die LVR Klinik. Ich vermute, dass genau dieser Entschluss mit dazu geführt hat.

Warum? Weil ich mir vorkam wie ein Versager. Wieso kann ich nicht einfach mal bei einem Arbeitgeber bleiben? Der ASB war der einzige, wo ich länger als ein Jahr gearbeitet hatte. Vor allem hatte ich mit VentiPro einen wirklich tollen Arbeitgeber und tolle Kollegen. Es gab nichts zu meckern. Ich wurde sehr gut bezahlt, bekam die Tage frei die ich frei brauchte und im Team war immer gute Stimmung. Danke VentiPro, ihr seit der beste Arbeitgeber den ich hatte 🙂

Es ist der Inhalt der Arbeit. Im Krankenhaus bin ich auf einer sehr speziellen Station, wir bekommen die Leute von der Notaufnahme hoch wo die Ärzte noch was untersuchen wollen oder wo das Bett auf der Station noch nicht frei ist. Sie können längstens 3 Tage bei uns bleiben. Ausserdem gehört das ambulante OP Zentrum dazu. Ab morgens 6:30 kommen die Patienten zu ihren OPs und werden dann bei uns auf Station vor und nach der Op betreut bis sie am Nachmittag entlassen werden.

Das bedeutet, ich habe jeden Tag mit ganz vielen verschiedenen Patienten zu tun, jeder mit anderen Diagnosen. Von jung bis alt ist alles dabei. Mal sehr anspruchsvoll, mal sehr wenig Arbeit. Das ist spannend und abwechslungsreich. In meiner Arbeit als Intensivpfleger im ambulanten Bereich brauche ich zwar ein hohes Fachwissen (ich habe auch die entsprechende Weiterbildung gemacht), ich bin jedoch den ganzen Tag 8 Stunden bei einem Patienten.

Unsere Patienten waren alle schon sehr hinfällig. Von den 8 Stunden Dienst, habe ich effektiv 6 Stunden was zu tun gehabt. Die restliche Zeit war Dokumentation (wenn es hoch kommt 30 Minuten) und rumsitzen. Klar, ich konnte die Zeit gut nutzen um zu lesen, auch Fachliteratur, oder abends bzw. im Nachtdienst TV und Netflix zu schauen. Aber mich hat das nicht befriedigt.

Im Krankenhaus muss ich viel hin und her laufen, Patienten in den OP bringen, aus dem OP holen, Verbände wechseln, Infusionen anhängen, sogar Blut abnehmen darf ich. Je nachdem was die Notaufnahme zu uns schickt ist die Schicht sehr viel zu tun oder auch mal etwas weniger. Aber Langeweile haben wir nie. Und durch die vielen verschiedenen Krankheitsbilder bleibt es spannend.

Bin ich ein Versager?

Trotzdem fühlte ich mich als Versager. Jetzt war ich ingesamt von Mai 2017 bis Juli 2019 in der ambulanten Intensivpflege gewesen und dachte, ich hätte vielleicht mein Ziel erreicht. Und dann, schwupps, kommt das Leben und zeigt mir, Nee Katrin, das wars nicht für dich. Das hat mich umgehauen.

Die letzten Monate habe ich auch versucht, über all das nachzudenken. Was ist, wenn ich jetzt ins Krankenhaus gehe und dann ist es das wieder nicht? Ich mich wieder vertue? Und was ist, wenn ich glaube, das ist nicht so. Was ist, wenn mein Gefühl, dort bin ich endlich an der richtigen Stelle tatsächlich stimmt? Denn wenn ich meine Krankenhaus Erfahrungen ansehe, dann war ich immer glücklich dort. Fühlte mich gut und ja eben fasziniert Teil dieses Hauses zu sein.

Kann ich jetzt einige der Anfangsfragen beantworten? Wo will ich hin? Das weiß ich noch nicht so genau. Ich habe eine Ahnung.
Was ist meine Berufung? Ganz klar anderen Menschen zu helfen.
Wo ist mein Platz? Auch das ist mir ganz klar: In meiner Familie und in der Pflege.
Ich kann inzwischen aus vollem Herzen sagen, Pflege ist für mich kein Beruf sondern Berufung. Ich ziehe Energie aus meiner Arbeit und ich freue mich auf Sie.

Also, vorgestern dann das Gespräch mit dem Pflegedirektor des Malteser Krankenhauses. Ein sehr schönes und positives Gespräch. Es gibt einige Änderungen. Unsere Station wird ab Mitte Dezember mit der Chirurgie zusammengelegt und wir werden dann auch diese Patienten mitversorgen. Ob das ein Problem für mich wäre? Nein, ist es nicht. Ausserdem wird das Krankenhaus verkauft. Der Malteser Orden stößt 6 seiner 8 Krankenhäuser ab und wir gehören dazu. Das bedeutet erstmal nur, irgendwann im Laufe von 2020 ist nicht mehr der Malteser Orden mein Arbeitgeber, sondern jemand anders. Ich denke nicht, dass es Nachteile mit sich bringt.

Ich konnte mir sogar aussuchen, ob ich vielleicht auf eine andere Station möchte. Die Weaning wäre vielleicht was für mich gewesen, aber ich möchte erstmal zurück auf „meine“ Station 2.2. Am 1.1.20 fange ich also mit 75% dort wieder an. Was mich sehr schockiert hat, war dass ich wenn ich die Krankenpflege Ausbildung noch machen möchte, mir nix anerkannt wird. Ich 3 Jahre Ausbildung machen muss. Obwohl ich ein Examen als Altenpflegerin habe und 12 Jahre Berufserfahrung…

Soll ich das wirklich machen? Ich wäre dann 44 wenn ich starte und erst mit 47 fertig. Und wofür ist das gut? Ich darf dann auf der Intensivstation arbeiten oder im OP. Fast alle anderen Stationen stehen mir jetzt schon offen. Ich hatte mit 2 Jahren gerechnet. Aber nicht mit 3. Das ist viel. Deswegen werde ich die Ausbildung nicht machen. Ich bleibe Altenpflegerin im Krankenhaus und mache dafür lieber nächstes Jahr ein Studium.

Zugelassen war ich an der Uni in Bochum schon, aber ich konnte ja am 1.10. nicht beginnen. Dann also nächstes Jahr. Es ist ein berufsbegleitendes Studium mit 2 Präsenztagen im Monat, der Rest online und Selbststudium. Aber für die Entscheidung habe ich noch ein paar Monate Zeit.

Jetzt erstmal ein weiterer Schritt Richtung normales Leben. Arbeiten gehen. Eine sinnvolle, sinnstiftende Arbeit. Meine Berufung. Wenn die Depression für etwas gut war, dann auf jeden Fall für diese Erkenntnis.

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